ANSAMMELN

Ansammeln
Opening: 02. October 2026, 6pm
October 2026

Text zur Ausstellung
Ansammeln – Leidenschaft eines Galeristen

Die aktuelle Ausstellung in der Galerie Widauer spiegelt kaleidoskopartig die jahrzehntelange Beschäftigung des Galeristen mit Kunst wider. Die Werke stehen für Widauers Begegnungen mit unterschiedlichen Künstlerinnen und Künstlern. Es sind Sammelstücke, Werke, die Spuren und Erinnerungen an vergangene Ausstellungen und Projekte darstellen, die als Sondereditionen publiziert wurden oder vom Galeristen sorgfältig ausgewählt wurden. Die vermeintliche Disparatheit der präsentierten Werke hat ein verbindendes Element: die Person des Galeristen und seine Leidenschaft für unterschiedlichste künstlerische Konzepte und Wege.

So umfassen die einzelnen Werke konsequenterweise auch unterschiedliche Epochen. Die älteste Arbeit ist ein Farbsiebdruck von Victor Vasarely aus dem Jahr 1929, Étude verte, ein konstruktives Stillleben mit Löffel, in geometrischen Farb-und Formschichtungen, das auch Teil der Sammlung des Centre Pompidou in Paris ist. Die 1960er und 1970er Jahre, deren Aufbruchstimmung etwa in Claes Oldenburgs pointierten, objektbezogenen Lithographien (Picasso‘s Cufflink/ Study for Tongue Cloud) sichtbar wird, sind weiters präsent mit einer Gouache Siegfried Anzinger von 1979, einer Serigraphie von Max Bill von 1974, Lithographien von Claes Oldenburg, einem Farbsiebdruck von Öyvind Fahlström von 1966 oder Dennis Oppenheims Farb-Offsetlithographie Untitled (Go-Between), einer intensiv physischen Darstellung der körperlichen Erfahrung von Feindseligkeit. Andy Warhols Siebdruck, der als intendiertes Beispiel von Massenproduktion von den 1960er bis in die 1980er Jahre realisiert wurde, entstand ursprünglich als lichte Gegenwelt zu düsteren Bildthemen wie etwa der Serie Electric Chairs (ab 1963) oder den 13 Most Wanted Men.

Widauers Interesse galt und gilt aber auch Künstlern wie Robert Barry, Sol Lewitt, Bruce Nauman, Robert Ryman, Imi Knoebel, Sigmar Polke, Gerwald Rockenschaub oder auch Fred Sandback, dessen künstlerisches Konzept einer subtilen dreidimensionalen Wirkung von Linien im Raum sich auch in der limitierten Lithographie mit rot-orangen Linien auf Papier vermittelt. 

Die Sammelleidenschaft, die Idee, mit Künstlern und Künstlerinnen zusammenzuarbeiten, etwas zu schaffen, sei es eine besondere Edition oder eine bestimmte Arbeit für eine Ausstellung, die tägliche Auseinandersetzung mit den Werken und Ideen, Konzepten und Umsetzungen der Künstler und Künstlerinnen, all dies manifestiert sich in Widauers Auswahl und Zusammensetzung der Ausstellung. Die Vielfalt, Divergenz, Originalität und Individualität aller ausgestellten Werke sind Zeugnisse eines Lebens mit und für die Kunst, in dessen Mittelpunkt auch die Beziehung zwischen Galeristen, Kunstwerk, der Person des Künstlers/der Künstlerin und denjenigen, welche die Kunst rezipieren, steht.

Exemplarisch wählte der Galerist auch graphische Editionen, Digitaldrucke, Werke in klassischen Techniken wie Öl auf Leinwand, Fotocollagen oder modernes Acrylglas aus, umgesetzt von Künstlerinnen und Künstlern der Galerie wie etwa Thomas Bayrle, der im großen Raum mit seiner Referenz an Caravaggio, den Meister des Chiaroscuro, die Serialität in Form unzähliger Smartphones als ebenso rauschhaften Zustand versteht wie psychedelische Effekte von LSD. Die Kunst als Wechselspiel zwischen blitzlichthafter Energie und konstruktiver Rationalität. Demgegenüber hängen zwei Fahnen in vertikaler und horizontaler Ausrichtung (1989) von Georg Herold, ein Werk, in dem sich politischer Kontext, Farbsymbolik und Konstruktivität überlagern. Weiters sind in der umfassenden Show auch unterschiedliche Werke von Künstlerinnen wie Anna Jermolaewa oder Beatrix Sunkovsky zu sehen. Alfons Eggers komplexe assoziative Collagen sind ebenso vertreten wie eine Serie von Vasen aus Muranoglas von Manuel Gorkiewicz. Abgerundet wird die Auswahl mit Werken verschiedener Künstler der Galerie wie u.a. Heinz Gappmayr, Gerhard Rühm, Richard Hoeck, Peter Kogler, John Miller, Walter Niedermayr, Nikolaus Schletterer Ernst Trawöger und Heimo Zobernig.

Die Besucher der Ausstellung werden beim Entdecken und Betrachten der einzelnen Werke trotz ihrer unterschiedlichen Voraussetzungen spüren, dass die Kunst von existenzieller Relevanz ist. Die künstlerische Diversität ist Zeichen einer lebendigen Auseinandersetzung mit den Bedingungen und Grundfragen menschlicher Existenz, sei es bei konzeptuellen Werken z.B. die Diskrepanz zwischen Wort, Bild und Bedeutung, oder auch die reine Präsenz des Sichtbaren, bei Arbeiten im Umfeld konstruktiver Tendenzen die reine Schönheit von Farbe und geometrischer Form, oder bei expressiven künstlerischen Konzepten die Wahrheit und Intensität des Dargestellten.

Bruce Nauman formulierte es einmal so: “In art, the only one who really knows whether what you've done is honest is the artist.“

Aber der Galerist ist in der glücklichen Rolle eines Vermittlers zwischen dem Denken und den Werken der Künstler/Künstlerinnen und den Rezipienten. In der Ausstellung wird sichtbar, wie sehr Johann Widauer diese Position schätzt.      

                                                                                                                      Gaby Gappmayr 2026